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February 26, 2014

Seid umschlungen, Millionen! - Immersive Strategien im Theater (2013)



Schwindel der Wirklichkeit
Akademie der Künste, 05.02.2014

Mit: Erich Goldmann, Barbara Gronau (UdK Berlin), Carl Hegemann (Thalia Theater Hamburg) und Signa Köstler (SIGNA)

Mitwohnen, mitwählen oder sogar mitlieben im Theater -- von Christoph Schlingensiefs „Partei der letzten Chance" oder „Hotel Prora" bis zu den Parallelwelten von SIGNA wurden den Zuschauern in den letzten 15 Jahren zahlreiche Angebote gemacht, im Theater das wahre Leben zu finden -- und zu führen. Aber beginnt, wenn alle Akteure sind und das Theater endet, tatsächlich schon die Wirklichkeit? Die Theaterwissenschaftlerin Barbara Gronau (UdK Berlin), der Dramaturg Carl Hegemann (Thalia Theater Hamburg) und die Performance- und Installationskünstlerin Signa Köstler (SIGNA) sprechen über die politische Wirkung des kollektiven Als-Ob, den psychologischen Sog der Ganzkörpererzählung und die Diktatur des Theatralen.

Moderation: Petra Kohse

Mehr Infos: http://www.schwindelderwirklichkeit.d...

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March 12, 2010

Elfriede Jelinek: Die Kontrakte des Kaufmanns (2009)



Mit: Therese Dürrenberger / Ralf Harster / Franziska Hartmann / Daniel Lommatzsch / Sebastian Rudolph / Maria Schrader / Patrycia Ziolkowska
Regie: Nicolas Stemann
Bühne: Katrin Nottrodt
Kostüme: Marysol del Castillo
Video: Claudia Lehmann
Musik: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg

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March 11, 2010

Elfriede Jelinek: Ulrike Maria Stuart (2007)



Ulrike Maria Stuart von Elfriede Jelinek

Premiere am 29. März 2007, Schauspielhaus

Regie Jossi Wieler
Bühne Jens Kilian
Kostüme Anja Rabes
Musik Wolfgang Siuda
Licht Max Keller

Mit: Brigitte Hobmeier, Werner Rehm, Sebastian Rudolph, Hildegard Schmahl, Katharina Schubert, Bettina Stucky

Dem selgen Geiste folgen nicht die Schwächen
Der Sterblichkeit in die Verklärung nach.
Schiller, Maria Stuart, V.7 (v. 3741f.)

Schon im Titel ihres "Königinnendramas" kündigt Elfriede Jelinek eine recht merkwürdige Kombination an. Denn was, um alles in der Welt, sollten die RAF-Terroristin Ulrike Marie Meinhof (1934-1976) und die schottische Königin Maria Stuart (1542-1587) außer der etwas schiefen Namensgleichheit wohl miteinander gemein haben? - Oder verbindet sie gerade das miteinander: dass es ihnen beiden eben um jenes vermeintlich gewisse, zuletzt tödlich ungewisse "Alles in der Welt" geht?

Am 26. April 1799 kommt Friedrich Schiller in einem Brief an Goethe auf ein Thema zurück, das ihn seit 16 Jahren, seit dem Bauerbacher Asyl (1783), nicht mehr in Ruhe gelassen hatte und das er jetzt, nach dem Wallenstein, wieder aufgreift: "Indessen habe ich mich an eine Regierungsgeschichte der Königin Elisabeth gemacht und den Prozess der Maria Stuart zu studieren angefangen. Ein paar tragische Hauptmotive haben sich mir gleich dargeboten und mir großen Glauben an diesen Stoff gegeben, der unstreitig sehr viele dankbare Seiten hat. Besonders scheint er sich zu der Euripidischen Methode, welche in der vollständigsten Darstellung des Zustandes besteht, zu qualifizieren". Schillers methodischer Rettungsgedanke in seinem "poetischen Kampf mit dem historischen Stoff" und dessen widerständiger "Tendenz zur Trockenheit" (12. Juli 1799 an Goethe) liegt in dem entschiedenen Entschluss, die gesamte Handlung auf den Verlauf dreier Tage zu konzentrieren.

"Ich fange endlich an, mich des dramatischen Organs zu bemächtigen und mein Handwerk zu verstehen", schreibt er bescheiden am 16. Juni 1800. Was meint er damit? Die große Erfindung seines Dramas ist die Begegnung der beiden Königinnen in der 4. Szene des 3. Aktes, die in der historischen Wirklichkeit niemals stattgefunden hat. Elfriede Jelinek wird gerade an diese Szene anknüpfen, in der Schillers Trauerspiel den erbitterten Streit der beiden Königinnen in einem einzigen Augenblick zu einer Katastrophe hochjagt, die sich schon in der beklemmend dicht gedrängten Fülle der affektgeladenen Szenenanweisungen widerspiegelt:

Elfriede Jelinek hat ihr "Königinnendrama" Ulrike Maria Stuart in drei "Teilstücke" gegliedert, also in drei verschiedene Streckenabschnitte eines Weges, die anscheinend immer noch in Konstruktion oder bereits wieder in Reparatur sind. Man muss jedoch daran zweifeln, dass sie je ein 'schönes Ganzes' ergeben könnten, denn eigensinnig wehren sie sich gegeneinander.

Das Erste Teilstück scheint ein Familiendrama widerzuspiegeln, das am 14. Mai 1970 mit Ulrike Meinhofs Beteiligung an der "Befreiung" von Andreas Baader beginnt und mit ihrem Tod im Stammheimer Gefängnis am 8. Mai 1976 endet. Das Zweite Teilstück kreist dagegen manisch um einen einzigen Augenblick: Gudrun Ensslins Verhaftung in einer Hamburger Boutique am 7. Juni 1972.
Aber: Elfriede Jelinek hat bei allen historischen Bezügen nicht im mindesten ein dokumentarisches Stück geschrieben. Abseits billiger RAF-Aufarbeitungs-Mode sucht sie einen anderen Sprach-Weg in deren Unheilsgeschichte. Was sie dabei zum Sprechen bringt, ist vor allem ihr eigenes Denken angesichts einer nur schlecht vernarbten Wunde unserer Vergangenheit.

Erst im Dritten Teilstück taucht Schillers Schatten im Text wirklich auf, stehn sich die beiden Königinnen unversöhnlich gegenüber, beginnt ein großes Trauer-Stück von Zürnen und von Flehen. Und nicht nur für die beiden Königinnen, vor allem auch für den Dialog Elfriede Jelineks mit den untoten Terroristen gilt der Satz: "Wir stehn einander selbst nun gegenüber." Wird uns das Frieden bringen?

Jossi Wieler, der durch seine ungewöhnlichen Inszenierungen der Jelinekschen Textflächen als Spezialist für diese Autorin gelten kann, wird mit seiner Inszenierung die Arbeit an den Münchner Kammerspielen fortsetzen.

Elfriede Jelinek, 1946 in der Steiermark geboren, gehört zu den wichtigsten Schriftstellerinnen der Gegenwart. Sie debütierte 1970 mit ihrem Roman "Wir sind Lockvogel, Baby", 1979 schrieb sie ihr erstes Theaterstück "Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte". Seither hat sie sowohl in der Dramatik als auch mit ihren Romanen neue Maßstäbe gesetzt. 2004 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur.

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February 16, 2010

Elfriede Jelinek: Rechnitz (Der Würgeengel)


Regie Jossi Wieler
Bühne und Kostüme Anja Rabes
Dramaturgie Julia Lochte
Musik Wolfgang Siuda
Licht Max Keller

Mit: Katja Bürkle, André Jung, Hans Kremer, Steven Scharf, Hildegard Schmahl
Uraufführung Freitag, 28. November 2008 im Schauspielhaus

In der Nacht vom 25. März 1945 feierten auf Schloss Rechnitz, das unmittelbar an der österreichischen Grenze zu Ungarn liegt, SS-Offiziere, Gestapo-Führer und einheimische Getreue des Nazi-Regimes ein "Gefolgschaftsfest", auf dem getanzt und getrunken wurde und in dessen Verlauf fast 200 jüdische Zwangsarbeiter brutal liquidiert wurden. Der Ortsgruppenleiter verteilte an ausgewählte Gäste Waffen, die Juden mussten sich nackt ausziehen, wurden malträtiert und erschossen oder erschlagen. Gemäß Prozessakten des Landgerichts Wien aus der Nachkriegszeit waren auch die Besitzer des von der SS requirierten Schlosses, Graf und Gräfin Batthyány, beim Fest anwesend, als "Gastgeber der Hölle". Margit von Batthyány, geborene Thyssen-Bornemisza, war eine Enkelin des Stahlmagnaten August Thyssen. Sie ist wegen der Rechnitzer Mordnacht nie strafrechtlich verfolgt worden. Knapp vor der Besetzung des Schlosses durch die Rote Armee floh die Gräfin mit Zofe, Mann und Geliebten in die Schweiz, widmete sich fortan der Zucht von Rennpferden und starb 1989. Die Suche nach dem Ort des Massengrabes, in dem die Opfer dieser Nacht verscharrt wurden, ist bis heute erfolglos geblieben. In Rechnitz herrscht ein Klima der Angst - während der Ermittlungen in der Nachkriegszeit wurden Zeugen ermordet - und bis heute eine Kultur des geschwätzigen Verschweigens. Man redet zwar über jene Nacht, über Schüsse und über Schreie der Sterbenden, aber man verschweigt die Details. "Die Juden haben eine Klagemauer, wir haben eine Schweigemauer", sagte einmal ein Ortsbewohner.

Elfriede Jelinek versammelt in RECHNITZ (DER WÜRGEENGEL) eine kleine Gesellschaft von Boten, über keinen Zweifel erhabene Berichterstatter. In sprachlich furiosen Suchbewegungen, Schicht um Schicht abtragend, nimmt sie unermüdlich Grabungen vor, um sich dem Krater der Ungeheuerlichkeit dieser Tat und ihrer Verschleierung zu nähern. Jelinek versucht keine detailgenaue Rekonstruktion eines historischen Verbrechens, und dennoch wird jedes Detail dieser monströsen Geschichte zur kalkuliert unkontrollierten Roulettekugel in einem "Casino des Denkens", das die Bedingungen unserer gegenwärtigen Gesellschaft auslotet. Ein blitzheller Blick zurück auf die Topographie des Nazi-Terrors, zugleich eine Reise durch Jelineks Kopf, ein wilder Assoziationsfluss, rechts und links althergebrachte Gewissheiten einreißend. Elfriede Jelinek, 1946 in der Steiermark geboren, gehört zu den wichtigsten Schriftstellerinnen der Gegenwart und erhielt
2004 den Nobelpreis für Literatur.

Der Theater- und Opernregisseur Jossi Wieler hat an den Kammerspielen ALKESTIS (eingeladen zum Theatertreffen 2002), DAS FEST DES LAMMS, MITTAGSWENDE (eigeladen zum Theatertreffen 2005), DIE BAKCHEN, ULRIKE MARIA STUART und ÖDIPUS AUF KOLONOS inszeniert. Jossi Wieler, der durch seine ungewöhnlichen Inszenierungen von Stücken Elfriede Jelineks (WOLKEN.HEIM., ER NICHT ALS ER, MACHT NICHTS, ULRIKE MARIA STUART) als Spezialist für diese Autorin gelten kann, wird mit der Uraufführung von RECHNITZ (Der Würgengel) seine Zusammenarbeit mit der Autorin und den Kammerspielen fortsetzen.

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Elfriede Jelinek: Ein Sportstück



Ein Ausschnitt aus dem Sportchor der Einar Schleef-Inszenierung vom Frühjahr 1998 am Wiener Burgtheater.

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April 10, 2008

Heiner Goebbels: Composing and Theatre (2007)



Heiner Goebbels, German composer and music director talking about composing for directors, theatres, operas, theatre plays, performances; discussing his life, stories, work, professional and artistic experiences as well as the concepts of sound, noise, acoustic space, Berthold Brecht, separation of elements, change of formats, Elias Canetti, Eraritjaritjaka. Public open lecture with students of the European Graduate School EGS, Media and Communication Studies department program, Saas-Fee, Switzerland, Europe, 2007. Heiner Goebbels.

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Rimini Protokoll: Breaking News





Breaking News
Ein Tagesschauspiel

Von Helgard Haug und Daniel Wetzel (Rimini Protokoll)

Die vergleichsweise kleine schäbige Illusionskiste, in der Theaterbesucher sich versammeln, spielt heute Lochkamera: mit dem Blick auf die stets aufgeregten Displays des unüberschaubaren Nachrichten-Spektakels, in dem Bilder zur Gegenwart und die Gegenwart zu einer Reihe von Bildern erklärt wird.


Breaking News besetzt das Theater, dessen Basis zumeist das So-Tun-Als-Ob ist, mit einem Prisma des Mainstreams der Institutionen, die uns täglich ihre Version des So-War-Es senden – Nachrichtensendungen, aus zahlreichen Ländern, live per Satellitenverbindung eingefangen. Was bleibt vom Tag an politischen Nachrichten bei ORF, Al Jazeera, BBC oder dem Pentagon Channel? Wieviel „Auslandsnachrichten“ bekommen die Iraker im Vergleich zu den Isländern, welche Bilder werden sowohl in Südafrika als auch in der Ukraine gesendet?
Was ist der ‚Aufmacher’ des Tages? Und was bleibt auf der Jagd nach den Bildern auf der Strecke? Wann werden Sender abgeschaltet?

Das Theater von Rimini Protokoll bietet mit den für das Projekt gefundenen Experten einen sinnlichen Nebeneingang zum weltweiten Bilderpool der Agenturen und Sender. Bleibt das Ereignis überhaupt bestehen oder verschwindet es hinter dem Geflecht der unterschiedlichen Meldungen dazu?

In Breaking News werden die am Projekt beteiligten Experten selbst zu außerordentlichen Bindegliedern der globalen Nachrichtenkette: Sie übersetzen, filtern, spielen sich Videobotschaften zu, kommentieren und tragen als Korrespondenten der jeweiligen Sender deren Perspektive zu dieser theatralen Konferenzschaltung der politischen Weltbühnen bei. Vergangene Bilder konkurrieren mit der Flut der akutellen Bilder. Krieg, Diplomatie und Katastrophen bilden den großen Nachrichtenstrom gegen den sich Ereignis um Ereignis und auch die eigene Erfahrung freischwimmen müssen.


Inszenierung: Helgard Haug und Daniel Wetzel (Rimini Protokoll)
Recherche und Dramaturgie: Sebastian Brünger
Bühne: Marc Jungreithmeier, Helgard Haug und Daniel Wetzel
Video und Licht: Marc Jungreithmeier
Sound Design und Ton: Frank Böhle
Bühnenbildassistenz: Marie Zahir
Videoassistenz: Maria Ochs
Vorrecherche: Christoph Scheurle
Video Außendreh: Steffen Dost

mit: Simon Birgisson, Martina Englert, Djengizkahn Hasso, Carsten Hinz, Hans Hübner, Marion Mahnecke, Walter van Rossum, Andreas Osterhaus, Sushila Sharma-Haque

Eine Produktion von Rimini Apparat in Koproduktion mit Hebbel am Ufer Berlin, Düsseldorfer Schauspielhaus, schauspielfrankfurt, Wiener Festwochen, schauspielhannover.

Gefördert durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten.

Homepage Rimini Protokoll

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